Tanzende Polarlichter am Himmel von Norwegen

Winter Wonderland Norwegen

Noch vor kurzem haben wir doch noch im Meer gebadet und uns die warme Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Das soll schon wieder vorbei sein? Nicht zu glauben, aber genauso ist es. Doch was jetzt kommt, muss nicht zwangsläufig schlechter sein.

Erstens präsentiert sich die Natur im „goldenen Oktober“ noch einmal von ihrer besonders bunten Seite. Zweitens kann man den Urlaub auch im Herbst und Winter in wärmeren Teilen der Erde verbringen, oder sich drittens auf den bevorstehenden Winterurlaub in den Bergen freuen.

Stichwort Winterurlaub: Wie wäre es, einmal Richtung Norden zu reisen und ein Land zu besuchen, das im Winter mit einem besonders faszinierenden Naturwunder lockt? Aurora Borealis lautet die wissenschaftliche Bezeichnung für die Polarlichter, die in Norwegen am Himmel tanzen. Wer dieses Spektakel einmal live erlebt hat, will immer wieder kommen.

Aurora borealis in Norwegen (Foto: privat)

Aurora borealis in Norwegen (Foto: privat)

Tanzende Lichter am Polarhimmel

„Das Lodern des Nordlichts am dunklen Himmel ist etwas, an das man sich nie ganz gewöhnt. Es hört niemals auf, zu verwundern und zu erstaunen.“ So beschreibt Martti Rikkonen, Naturfotograf aus Lappland, das Phänomen der Polarlichter.

Wenn im Winterhalbjahr nördlich des Polarkreises die Sonne nicht mehr aufgeht, ist die beste Zeit für eine Polarlichtreise nach Nordnorwegen. Zwischen September und März sind die Nächte lang, kalt und klar. Dann stehen die Chancen gut, den Himmelszauber der Aurora borealis bestaunen zu können.

Bereits im 19. Jahrhundert kamen Polarforscher beim Anblick der bis dahin unbekannten Himmelserscheinungen ins Schwärmen. „Die Natur führt uns ein Feuerwerk vor, wie es sich die kühnste Phantasie nicht herrlicher zu denken vermag. Keine Farbe und kein Pinsel vermögen es zu malen, keine Worte vermögen es in seiner ganzen Großartigkeit zu schildern.“, beschrieb der deutsche Geophysiker Carl Weyprecht die Nordlichter, die er während einer Expedition 1873 im Polarmeer zum ersten Mal sah.

Dabei sind die tanzenden Lichter am Himmel aus wissenschaftlicher Sicht ganz logisch zu erklären. Sie entstehen, weil elektrisch geladene Teilchen des Sonnenwindes aus der Magnetosphäre auf Sauerstoff- und Stickstoffatome in den oberen Schichten der Erdatmosphäre treffen. Daraus resultieren im Übrigen nicht nur die „Nordlichter“ (Aurora borealis) in den Polarregionen auf der Nordhalbkugel. Das gleiche Phänomen findet genau so auf der Südhalbkugel statt (Südlicht oder Aurora australis).

Sternenhimmel und Polarlichter (Foto: privat)

Doch mal ehrlich, wer braucht angesichts des Anblicks dieses faszinierenden Himmelsphänomens, für den jedes Jahr Touristen und Fotografen aus aller Welt anreisen und sich die Nächte um die Ohren schlagen, eine physikalische Erklärung?

Auf der klassischen Postschiffroute die Küste entlang

Das beste Fortbewegungsmittel für eine Polarlichterreise entlang der zerklüfteten Küste Norwegens ist das Schiff. Auf der sogenannten Hurtigrute („schnelle Route“) verkehrten seit Ende des 19. Jahrhunderts Postschiffe. Sie versorgten die Einwohner in diesen abgelegenen Regionen mit Post und allem, was man für das tägliche Leben braucht.

Hurtigruten-Schiff

Hurtigruten-Schiff

Auch wenn der Postverkehr 1984 eingestellt wurde, ist die Strecke mittlerweile besonders bei Urlaubern sehr beliebt. Viele Passagier- und Kreuzfahrtschiffe fahren entlang der alten Postschiffroute zwischen Bergen und Kirkenes.

Der bekannte Reiseverlag Lonely Planet bezeichnete das Erlebnis an Bord eines norwegischen Postschiffs sogar als „schönste Seereise der Welt“. Wer die Hurtigruten, zum Beispiel mit den Schiffen der gleichnamigen Reederei, schon einmal gefahren ist, wird das bestätigen. Über 100 Fjorde entlang der atemberaubenden, norwegischen Küste, darunter der UNESCO-geschützte Geirangerfjord, die Inselwelt der Lofoten weiter nördlich und das berühmte Nordkap säumen die Strecke.

Polartaufe gehört dazu

Wer auf einer Schiffsreise Richtung Norden den Polarkreis überquert, wird Zeuge und möglicherweise auch „Opfer“ eines besonderen Rituals: der Polartaufe. Auf den meisten Kreuzfahrtschiffen wird die Überquerung mit einer kleinen Show gefeiert. Sie läuft in etwa so ab: Ein als Neptun mit Dreizack, Krone und weißem Rauschebart verkleidetes Besatzungsmitglied händigt den Täuflingen, die sich freiwillig eine Kelle Eiswasser in den Nacken kippen lassen, ein Polarkreis-Zertifikat aus.

Der Brauch soll aus der Zeit der Entdeckungsreisen der Portugiesen stammen. Sie waren offenbar der Meinung, dass der Äquator so heiß sei, dass das Durchqueren oder gar Bewohnen unweigerlich zum Tod führte. Daher wollten sie ihren Mut beim Überschreiten des gefürchteten Äquators durch eine Taufe bekräftigen. Diese Sitte war oft mit strengen Auflagen an Bord verbunden. Wer sich nicht daran hielt, wurde schlimmstenfalls mit Peitschenhieben bestraft. Die Äquatortaufe und ihr Pendant, die Polartaufe, entwickelten sich später zu einem weltweit üblichen Ritual der Seeleute, wenn ein Besatzungsmitglied oder ein Passagier zum ersten Mal auf See den Äquator überquert.

Heutzutage ist die Taufe sowohl bei der Äquator- als auch bei der Polarkreisüberquerung einfach nur ein großer Spaß!

Nordkap – nördlichster Punkt Europas

Nordkap Plateau (Foto: privat)

Nordkap Plateau (Foto: privat)

Das Nordkap übt auf Besucher aus aller Welt eine magische Anziehungskraft aus. Das steil aus dem Eismeer ragende Schieferplateau liegt 514 Kilometer nördlich des Polarkreises und rund 2100 Kilometer vom Nordpol entfernt. Auch wenn es streng genommen gar nicht den nördlichsten Punkt Europas, sondern nur des europäischen Festlandes (71°10′21″) markiert, hat es sich als bedeutendes touristisches Reiseziel etabliert.

Weltkugel am Nordkap

Weltkugel am Nordkap

An der bekannten Weltkugel auf dem Plateau schießen jährlich tausende Touristen ein Erinnerungsfoto. Bei klarem Wetter bietet sich von hier aus eine fantastische Sicht auf den unendlich erscheinenden Horizont Richtung Nordpol.

Winterreise zu den Naturwundern Norwegens

Schneebedeckte Berge und majestätische Gletscher, kleine Inseln und Siedlungen mit bunten Häusern und gigantische Naturlandschaften, das ist Norwegen.

Winterwonderland Norwegen

Winterwonderland Norwegen (Foto: privat)

Wer das unvergleichliche Naturwunder der Nordlichter in Kombination mit der grandiosen Fjord- und Bergwelt erleben möchte, trifft mit einer Winterreise nach Norwegen die richtige Wahl. Um die Kosten im Überblick zu behalten, empfiehlt sich eine Schiffsreise mit Verpflegung an Bord. Für die klassische Postschiffroute mit Hurtigruten gibt es aktuell Frühbucherrabatte (inklusive Flug nach/ab Bergen) für unter 1000 Euro.

Reiseinfo: Postschiffroute

Per Postschiff durch Norwegen (Foto: privat)

Per Postschiff durch Norwegen (Foto: privat)

Die traditionelle norwegische Postschifflinie verbindet seit 1893 die Orte der über 2700 Kilometer langen norwegischen Westküste. Heutzutage benötigen die kombinierten Fracht-, Passagier- und Kreuzfahrtschiffe zwischen Bergen und Kirkenes eine knappe Woche und werden gerne von Touristen gebucht.

Eines der bekanntesten Schiffe der Hurtigruten-Flotte ist die knapp 122 Meter lange „MS Richard With“ für rund 700 Passagiere. Sie wurde nach dem Gründer der Hurtigruten-Postschifflinie benannt. Ein beeindruckendes Glasbild an der Decke des Salons erinnert an seine historische Heldentat: die Entwicklung eines nachttauglichen Navigationssystems. Davon profitieren Schiffsreisende bis heute. Denn so ist es möglich, in der überwiegend dunklen Winterzeit zwischen September und März entlang der norwegischen Küsten zu fahren und am nächtlichen Sternenhimmel die Polarlichter „Aurora borealis“ zu bestaunen.

Reisetipp: Beste Zeit für Polarlichter

Nördlich des 60. Breitengrades geht die Sonne zwischen September und März bis auf wenige Stunden wochen- und monatelang nicht mehr auf. Bei einem ein- bis zweiwöchigen Aufenthalt  in den nördlichen Teilen Skandinaviens ist in dieser Zeit die Chance, die berühmten Nordlichter zu sehen, besonders groß.

Polarlichter Winterreise per Schiff

Winterreise per Schiff zu den Polarlichtern

Gerade in Nordnorwegen in der Nähe von Tromsø und Svalbard besteht die Wahrscheinlichkeit, in 8 von 10 Nächten Polarlichter zu sehen.

Aber auch im Norden Islands, in Finnisch-Lappland und auf den Faröer Inseln tritt im Durchschnitt mindestens ein Mal pro Woche ein helles Polarlicht auf.

Alle Fotos ©: Simone Blaschke

Seid ihr auf den Geschmack gekommen? Oder habt ihr die Polarlichter schon einmal selbst gesehen? Wo war das? Ich freue mich auf eure Kommentare!

COMMENTS

Claudia Hofenbitzer

Danke für die schönen, informativen Schilderungen! Die Fotos sind der Hammer!
LG, Claudia H.

    Simone Blaschke

    Liebe Claudia,
    das freut mich und ich hoffe, du hast irgendwann Gelegenheit, dieses unglaubliche Naturschauspiel live und in voller Farbe zu sehen. Bis dahin, einfach hier weiterlesen ?
    Reisefreudige Grüße, Simone

Petra

Sehr schön geschrieben, macht Lust auf Norwegen.

Maria

Das sieht so unglaublich schön aus… Norwegen steht auch auf meiner Liste, tatsächlich wegen den Polarlichter :-) Ich will sie unbedingt einmal live erleben. Die Bilder sind ganz toll und ein inspirierender Artikel.
Viele Grüße
Maria

    Simone Blaschke

    Liebe Maria, vielen Dank für dein Feedback. Ja, das ist ein Erlebnis, das auf der Bucket List stehen sollte. Norwegen ist aber auch im Sommer großartig. Vielleicht hast du meine Artikel zur Nordland Kreuzfahrt ja auch schon gelesen ? LG, Simone

Claudia Heil

Liebe Simone,
toller Reisebericht über die faszinierenden „Polarlichter“. Da werden glatt wunderschöne Urlaubserinnerungen in mir geweckt!

Wanda

Wow, klingt spannend! Norwegen ist wirklich traumhaft schön, aber das Polarlichter-Spektakel im Winter war mir neu. Wieder etwas dazugelernt! ? Danke

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